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Süssstoffe

Autorenbild: gesundmitgenuss
gesundmitgenuss
2. Sept.
3 Min. Lesezeit


Was die aktuelle Forschung zeigt


Ob im Light-Getränk, im Kaugummi, im Proteinshake oder im Fertigdessert: Süssungsmittel gehören für viele Menschen längst zum Alltag. Wer bewusst Zucker sparen möchte, ohne auf Süsse zu verzichten, greift oft zu ihnen. Was sagt die aktuelle Wissenschaft über ihre gesundheitlichen Auswirkungen, und was bedeutet das für Ihren Alltag?


Zwei Gruppen, ein Ziel: weniger Zucker

Grundsätzlich lassen sich Süssungsmittel in zwei Gruppen einteilen:


Zuckeraustauschstoffe wie Xylit (Birkenzucker) oder Erythrit sind chemisch Zuckeralkohole. Sie liefern – mit Ausnahme des kalorienfreien Erythrits – noch etwa 2,4 kcal pro Gramm und haben eine ähnliche Süsskraft wie Haushaltszucker. In grösseren Mengen können sie allerdings verdauungsfördernd bis abführend wirken, weshalb ab einem bestimmten Anteil ein entsprechender Warnhinweis auf der Verpackung Pflicht ist.


Süssstoffe wie Aspartam, Sucralose oder Steviolglykoside sind dagegen um ein Vielfaches süsser als Zucker und liefern praktisch keine Kalorien. In der EU sind aktuell 21 Süssungsmittel als Zusatzstoffe zugelassen, jeweils mit festgelegten Höchstmengen (dem sogenannten ADI-Wert, "Acceptable Daily Intake") und Kennzeichnungspflicht im Zutatenverzeichnis.


Helfen sie beim Abnehmen?

Hier zeigt sich ein Stück weit ein Widerspruch. Kurzfristige Interventionsstudien zeigen häufig einen leichten Vorteil von Süssstoffen gegenüber Zucker beim Körpergewicht. Langfristige Beobachtungsstudien hingegen bringen einen höheren Konsum von süssstoffhaltigen Getränken eher mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes in Verbindung.

Diese Diskrepanz lässt sich nicht ohne Weiteres auflösen. Ein wichtiger Grund: Menschen, die bereits mit Gewicht oder Blutzucker zu kämpfen haben, greifen möglicherweise gerade deshalb häufiger zu Süssstoffen. Aus Beobachtungsdaten allein lässt sich daher kein ursächlicher Zusammenhang ableiten.

Eine grosse, mehrjährige Studie (SWEET-Studie) mit über 300 Erwachsenen mit Übergewicht kam kürzlich zu einem differenzierteren Ergebnis: Nach einem Jahr hatte die Süssstoff-Gruppe im Schnitt etwas mehr Gewicht gehalten als die Kontrollgruppe. Bei Kindern zeigte sich dagegen kein Unterschied.

Die Weltgesundheitsorganisation zieht daraus eine klare Konsequenz: Sie rät davon ab, Süssstoffe gezielt zur Gewichtskontrolle einzusetzen. Als alleiniges Abnehm-Werkzeug taugen sie also nicht.


Ein Blick auf den Darm

Ein Forschungsfeld, das zunehmend Aufmerksamkeit bekommt, ist der Einfluss von Süssstoffen auf das Darmmikrobiom. In Tierversuchen veränderten unter anderem Sucralose, Saccharin und Aspartam die Zusammensetzung der Darmbakterien, teils allerdings bei Dosierungen, die deutlich über der für Menschen empfohlenen Menge lagen. Humanstudien zeigen bislang ein uneinheitliches Bild: Manche Untersuchungen fanden Veränderungen der Glukosetoleranz und des Mikrobioms, andere kontrollierte Studien konnten das nicht bestätigen. Die Forschung steht hier also noch am Anfang.


Sind Süssstoffe sicher?

Innerhalb der zugelassenen Höchstmengen gelten Süssungsmittel nach aktueller Risikobewertung als sicher. Auch die 2023 vieldiskutierte Einstufung von Aspartam als "möglicherweise krebserregend" durch die WHO ist eine reine Gefahrenklassifikation. Sie sagt nichts über das tatsächliche Risiko beim üblichen Verzehr aus, und der Krebsverdacht wurde in den bisherigen Risikobewertungen von BfR und EFSA nicht bestätigt. Zur Einordnung: Bei einer 70 kg schweren Person würde der Grenzwert erst mit rund 17 Dosen Diätlimonade pro Tag erreicht.

Schwieriger ist die Gesamteinschätzung, weil Süssstoffe über viele verschiedene Quellen aufgenommen werden: über Getränke, aber auch über Fertigprodukte, Kaugummi oder Zahnpasta. Wie nah bestimmte Gruppen, etwa Kinder, tatsächlich an die Höchstmengen herankommen, lässt sich dadurch schwer beurteilen.


Was das für Ihren Alltag bedeutet

Aus meiner Praxis heraus ist mir dabei ein anderer Punkt mindestens genauso wichtig wie die reine Sicherheitsfrage: Wer Zucker dauerhaft durch Süssstoff ersetzt, hält die eigene Vorliebe für Süsse auf demselben Niveau, anstatt sie langsam zu senken. Genau diese Süsspräferenz ist oft der eigentliche Hebel für einen entspannteren, genussvollen Umgang mit Essen.


Für die Praxis heisst das:

  • Süssungsmittel können ein Baustein sein, um Zucker punktuell zu reduzieren. Eine insgesamt ausgewogene, nicht übermässig süss geprägte Ernährung ersetzen sie damit nicht.

  • Bei Kindern ist wegen offener Fragen zur Geschmacksprägung eher Zurückhaltung sinnvoll.

  • Langfristig lohnt sich oft der Blick auf die eigene Süsspräferenz selbst. Sie lässt sich Schritt für Schritt und ohne Verzicht senken.


Wenn Sie das Gefühl haben, dass Süsses (mit oder ohne Zucker) in Ihrem Alltag eine grössere Rolle spielt, als Ihnen guttut, unterstütze ich Sie gerne dabei, einen entspannten Weg dorthin zu finden.


Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Weltgesundheitsorganisation (WHO), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Pang et al. 2025 (SWEET-Studie), Qin et al. 2020, Li et al. 2026.

 
 
 

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